Home
Geburtshaus
Botschaft
- Franz von Sales
und Johanna von
Chantal
- Mutter Marie de
Sales Chappuis
- Pater Louis Brisson
- Léonie Françoise
de Sales Aviat
- Die Oblatinnen
in der Schweiz
Sr. Oblatinnen
Museum
Weltweit
b o t s c h a f t - mutter marie de sales chappuis

Die Botschaft der Mutter Marie de Sales Chappuis:
"Jesus sichtbar machen"

 

In unserem Speisesaal in Haus Overbach hängt das Bild einer Ordensfrau.  Oft fragen uns Besucher: Wer ist das? Dann antworten wir: Ihre Zeitgenossen gaben ihr den Namen "Gute Mutter", und diesen Namen hat sie bei uns Oblaten des hl. Franz von Sales behalten.

 

Zunächst stammt die Bezeichnung wohl daher, dass diese Ordensfrau, Marie de Sales Chappuis, viele Jahre hindurch im Orden der Heimsuchung Mariens das Amt der Oberin innehatte.  Sie muss diese Aufgabe mit viel Güte und Weisheit ausgeübt haben, denn sie wurde immer wieder von verschiedenen Klöstern für das Amt der Oberin gewählt.


Mutter Marie de Sales Chappuis,
die "Gute Mutter"

Den Orden der Heimsuchung hat der hi.  Franz von Sales im Jahre 161 0 gegründet.  Nach dem Plan des hl.  Franz von Sales sollten seine Schwestern nicht, wie bisher üblich, abgeschlossen hinter Klostermauern wohnen.  Sie sollten unter die Menschen gehen und ihnen ihre Dienste und ihre Liebe schenken, so wie Maria im Hause ihrer Base Elisabeth, die ein Kind erwartete, behilflich war.  Gebunden sein sollten sie nur durch das Gelübde der Liebe.  Wer die Liebe übt, so dachte Franz von Sales, der übt alle Tugenden.

Die Zeit war noch nicht reif für die Pläne dieses weitschauenden Heiligen.  Franz von Sales musste für seine Schwestern wieder die strenge Klausur und die alten drei Ordensgelübde, Armut, Keuschheit und Gehorsam, einfuhren.  Obschon Franz von Sales seinen ursprünglichen Plan bei der Gründung seines Schwesternordens nicht durchsetzen konnte, so hoffte er doch, zu Lebzeiten noch einen Männerorden gründen zu können, der seine Grundidee vom Primat der Liebe lebte und verbreitete.  Doch Gott wollte es anders.  Erst gut 250 Jahre nach dem Tod des Heiligen ging sein Plan in Erfüllung.

Für diese Gründung erwählte Gott jene Frau, die wir Oblaten des hl.  Franz von Sales wie viele ihrer Zeitgenossen "Die Gute Mutter" nennen.
Um das Jahr 1840 war sie Oberin des Klosters der Heimsuchung zu Troyes in Frankreich.  Während ihrer Amtszeit wurde ein junger Priester, namens Alois Brisson, zum Beichtvater der Schwestern bestellt.  Da erhielt die Oberin im Gebet die Erleuchtung, dass dieser Priester dazu berufen sei, den Plan des hl.  Franz von Sales zu verwirklichen.

Alois Brisson war ein pflichtbewusster Mann.  Doch verstand er mehr von der Naturwissenschaft als von den geistigen Höhenflügen einer Ordensfrau.  Pünktlich und regelmäßig hörte er die Beichten der Schwestern.  Geduldig blieb er auch, wenn ihm die Oberin im Sprechzimmer ihre inneren Erleuchtungen mitteilte.  Doch eines Tages verschlug es ihm die Sprache.  Da redete diese Frau davon, Gott hätte ihn berufen, einen Männerorden zu gründen, der im Geist des hl.  Franz von Sales die Liebe Gottes auf Erden sichtbar machen sollte.

Der Beichtvater wehrte sich energisch gegen dieses Ansinnen der Oberin.  "Nie", so sagte er sich, "werde ich tun, was sie begehrt.  Ich werde mich doch nicht dem Willen einer Frau unterwerfen!" Innerlich musste er sich allerdings gestehen, dass diese Klosterfrau gottesfürchtig, gütig und weise war.  Was, wenn nun doch Gott aus ihr spräche?  In seiner Ratlosigkeit begann er, Gott um Zeichen zu bitten.  Und siehe, Gott gab ihm die Zeichen, um die er ihn bei der hl. Messe gebeten hatte.  Ohne dass er ein Wort hatte fallen gelassen, reichte ihm die Gute Mutter nach der hl.  Messe genau das Geld, das er für eine arme Frau aus Troyes brauchte, die in Mietschuld geraten war und in Gefahr schwebte, aus ihrer Wohnung ausgewiesen zu werden.  Ein andermal sagte Fanny, ein einfältiges Mädchen aus dem Pensionat, ihm einen schweren Satz vor der Beichte auf, den er sich zuvor beim hl. Thomas von Aquin ausgesucht hatte.  Alles so wie er es sich als Zeichen erbeten hatte.

Aber dann redete sich der Priester ein: Das kann ja alles Zufall sein!  Er wurde der Oberin gegenüber nur noch ablehnender und sturer.  Um sich abzulenken, begann er, eine Uhr zu konstruieren.  Diese sollte nicht nur die Zeit angeben, sondern auch die Gezeiten von Ebbe und Flut der benachbarten Küste.  Doch die Oberin ließ nicht nach mit ihrer Forderung.  Da bittet sie ihn wieder ins Sprechzimmer.  Eindringlich wie nie zuvor wird sie heute.  Er müsse doch tun, was Gott von ihm erwarte.  Sein Wille sei ihm doch sicher bekannt.  Da wird der Priester wütend: "Würdige Mutter", schleuderte er heraus "und wenn ich jetzt vor meinen Augen einen Toten aufstehen sähe, dann würde ich doch nicht den Orden gründen, wie sie es verlangen!"

Marie de Sales Chappuis zieht sich zurück.  Der Priester bleibt allein.  "Wie komme ich nur von dieser Frau los," so denkt er.  Doch, was ist das!  Wie er seine Augen erhebt, sieht er auf der anderen Seite des Sprechzimmergitters den Heiland stehen, so wie er wohl in Nazareth gewandelt sein mag.

 

Anfänglich ist Alois Brisson erregt, fast wütend.  Muss er sich nun ergeben?  Er prüft die Gestalt, ob es nicht eine Täuschung ist.  Nein, Täuschung ist ausgeschlossen!  Jesus sagt ihm kein Wort, doch seine Gebärde bekundet: "Was diese Oberin von dir fordert, ist mein Wille!" Da sinkt der Priester in die Knie, er ist überwältigt, er betet Gottes Willen an.

30 Jahre lang wahrt der Beichtvater Schweigen über das Geschehene.  Doch vor ihrem Tod erlebt Marie de Sales Chappuis noch, wie sich die ersten Oblaten des hl.  Franz von Sales zur Gründung eines Ordens formieren, wie sie ihr Noviziat beginnen.  Im Oktober 1875 stirbt sie.  Zwei Monate später trifft in Troyes die offizielle Bestätigung der neuen Ordensgemeinschaft durch den Papst ein. 1875 gilt als unser Gründungsjahr.
Das Werk breitet sich schnell in Frankreich aus.  Doch Pater Brisson muss mit seinen Oblaten noch viele Stürme über seine Neugründung ergehen lassen.  Dann kommt das Jahr 1903.  Die Tätigkeit sämtlicher religiöser Orden wird über Nacht in Frankreich verboten.  Die Ordensleute müssen das Land verlassen.  Auch die Oblaten des hl.  Franz von Sales sind hart betroffen.  In Frankreich werden Schulen und Häuser geschlossen.  Doch das Werk geht weiter.  Es breitet sich von nun an in verstärktem Maß in anderen Ländern aus.  Pater Brisson ist zu alt, um Frankreich zu verlassen.  Er stirbt am 2. Februar 1908 in Plancy, nahe bei Troyes, in seinem elterlichen Haus, das unmittelbar nach seinem Sterben öffentlich versteigert wird.

Was gab dem Gründer die Kraft, all diese Prüfungen zu überstehen?  Die Gute Mutter hatte ihm auf ihrem Sterbelager von den bevorstehenden Prüfungen gesprochen.  Kreideweiß wurde der Priester, als sie ihm die Zukunft enthüllte.  Doch eindringlich beteuerte die Sterbende: "Haben Sie guten Mut!"

"Das Werk liegt in Gottes Hand". Als Zeichen für die Glaubwürdigkeit ihrer Worte kündigte sie ihm an, dass ihr Leib nach dem Tod vor der Verwesung bewahrt bleiben werde.

Das war eine Prüfung für den Ordensgründer, als dann nach vielen Jahren der Leib der Guten Mutter aus dem Grab genommen und in einer Kapelle beigesetzt werden sollte.  Jetzt kam für Pater Brisson die Stunde der Wahrheit!  Was sich beim Öffnen des Sarges dem Anblick bot, war nichts als Schimmel.  Verzweifelt und mit Tränen in den Augen wendet sich der Priester ab.  Da packt die amtierende Oberin des Heimsuchungsklosters von Troyes voll Vertrauen auf die Verheißung der Guten Mutter mutig in den Schimmel und ruft alsgleich jubelnd aus: "Unsere Mutter ist unverwest !" Das Zeichen ist gegeben!  Der Schimmel wird entfernt.  Der Arzt, der Notar, der Bischof, die Priester, die Schwestern, alle Anwesenden können sich überzeugen: Der Leib ist biegsam und unverwest!


Mutter Marie de Sales - Gobelin

Die Oblaten des hl.  Franz von Sales sind gegründet. - Gott will das Werk! - Was ist ihr Auftrag?  Die gute Mutter hat es so ausgedruckt: "Die Oblaten müssen Jesus sichtbar machen.  Das Evangelium muss neu aufgelegt werden!" - Im Fernseh-zeitalter kann die Botschaft Jesu nicht so sehr durch Worte verkündet werden.  Die Menschen wollen heute sehen, sie glauben nur, wenn sie sehen, wie Jesus ihnen heute durch seine Boten mit Güte und Liebe begegnet.

P. Hans Wessling OSFS

lange Jahre Pfarrer in verschiedenen Gemeinde, Novizenmeister und Klerikermagister, Hausoberer, seit 1977 in Ruhestand in Paderborn.

▲ Top